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Ich bin transplantiert - Was kommt danach ?

 

Was kann ich nach Transplantation wieder leisten ? Kann ich Sport treiben ?

Hier beschreiben einige transplantierte Mitglieder unseres Vereins, warum sie Sport treiben und wie es ihnen nach der Transplantation geht.

 

Thomas Bergmann

Sport nach Transplantation!   ,,Von 10m auf 100 km" 

Mein Name ist Thomas Bergmann, herztransplantiert im April 2009.

Zur Kur nach der Transplantation habe ich keinen Sport betrieben. Es war die Freude sich täglich mehr bewegen zu können. Am ersten Tag 200 Meter. Eine große Strecke, wenn man vorher gerade noch 10 m beschwerdefrei laufen konnte.
Aus den Metern sind nach und nach Kilometer geworden. Unser Verein HLTX e.V. hat auch Wanderungen und Radtouren organisiert, die dazu beigetragen haben, mehr Sport zu treiben.
Schon im September 2009 war ich auf Mallorca im Urlaub und habe dort die Freude am Schwimmen entdeckt. Im Frühjahr 2010 bei einem Besuch in der Ukraine bin ich täglich in einem Natursee zum Schwimmen gewesen.

Dann habe ich von Sportwettkämpfen für Transplantierte gehört und mich sofort zur Deutschen Meisterschaft angemeldet. Es war ein großer Erfolg, schon beim ersten mal auf dem Podest zu stehen. Im Jahr 2013 war ich bei den Weltspielen in Südafrika und  habe über 100m Brustschwimmen Silber erkämpft. Weitere Medaillen folgten in den Jahren darauf.

Der Sport zeigt mir, was das neue Herz leisten kann. Ein regelmäßiges Training ist dafür schon notwendig. Es bringt eine gesunde Fitness und hilft die Medikamente besser zu verarbeiten.
Im gleichen Jahr, Dezember 2013, war es dann so weit. Ich bin in 24h 100 km gelaufen! So sind aus 10m vor meiner Transplantation 100 km geworden.

Dem Herzzentum Leipzig mit allen Angestellten und dem Verein HLTX bin ich noch heute dankbar, dass dies alles möglich war.

Der Dank gehört auch allen Spendern, die bereit waren Ihre Organe frei zu geben.

Allen Wartepatienten und Transplantierten, möchte ich Mut machen, Sport zu treiben !
 
,,Sport Frei''

 Schneeberg, in Januar 2015

 

Presseartikel über Thomas Bergmann:

Mit neuem Herz auf Medaillenjagd →

Neustädtler belohnt sich mit Medaillen →

Nach Rückkehr ins Leben geht´s nun zur Weltmeisterschaft →

 

Sven Taubmann

Der Waldfrosch

In Nordamerika gibt es einen Frosch der sich im Winter einfrieren läst und sobald die Tage etwas länger werden taut er auf und fängt wieder an zu strampeln. Er hat sofort nichts anderes im Kopf als sich zu bewegen und sich zu paaren.

Mir soll es hier jetzt zuerst mehr um das sich bewegen gehen, denn ich wollte diese Situation mit der nach der Herztransplantation vergleichen. Ein jeder von den Herztransplantierten wird es kennen, vor dem neuem Herzen, wenn ein Stockwerk mit den Treppen wie ein unbezwingbarer 8000er ist und man sich einredet "Ich muss nur mal richtig ausschlafen und dann geht es schon wieder". Es ging eben nicht mehr, ich fand mich mit der Rolle als zukünftiger "Krüppel" eben irgendwie ab. Ich hatte mir schon einen Rollstuhl angeschaut, denn ich glaubte große Strecken ohne Sitzgelegenheit nicht bewältigen zu können. Zumindest nicht wie in meinen fittesten Zeiten. Ich hatte etwas Sport getrieben, beim Training wurde mir nach kurzer Zeit schlecht mit extremer Atemnot. Es folgte die Tour bei den Ärzten mit Aussagen wie "So ein schönes Kugelherz habe ich noch nie gesehen" bis "Sie brauchen ein neues Herz"  war alles dabei. Auch in der Herzklinik in Leipzig war zuerst die Behandlung etwas undurchsichtig bis ich nach einigen Monaten auf die HLTX Station kam und ab da war ich in den besten Händen. Es ist eine besondere Atmosphäre dort auf Station und auch wenn irgend etwas schief gehen sollte, ich war an keinem anderem Platz der Welt besser aufgehoben (Danke noch mal ihr Schwestern, Pfleger und Ärzte der HLTX Station in der Herzklinik Leipzig!).
Aber als ich nur noch die Option Transplantation hatte, fror ich ein mit ungewissem Ausgang. Meine Tage wurden länger, als der Pfleger Maurice früh in mein Krankenzimmer kam, weil mein "neues" Herz war da. Nach einiger Zeit mit kleinen Rückschlägen fing ich dann eben auch wieder an zu strampeln und ich muss sagen, Bewegung ist Leben. Was den Krüppel anbelangt, sehe ich die Sache jetzt doch anders. Ich habe das Glück, mit den HLTX-Radsportteam fahren zu dürfen und muss sagen, wer Transplantierte als Krüppel sieht sollte mal mit den Jungs fahren. Bei den Wettkämpfen kann man Leute kennen lernen, die mit einem neuem Herzen unglaubliche sportliche Höchstleistung mit einer Leichtigkeit aufrufen, die mich immer wieder mit Gänsehaut schaudern lässt. Das sollte aber für uns alle nicht als Maßstab gelten, aber die Möglichkeit ist einfach toll. Ich wiederhole mich, Bewegung ist Leben ! Denkt an die Zeit vor der neuen Pumpe und ihr versteht was ich meine.

In diesem und im weiteren Sinne „Macht den Frosch!!!!“
mit herzlichen Grüßen Sven Taubmann

 

Christoph Biermann

Mein Herz war eine tickende Zeitbombe

Ich bin Christoph Biermann aus Aschaffenburg und seit 2013 herztransplantiert. Früher war ich ein erfolgreicher Spitzensportler und bin 17 000 km pro Jahr mit dem Rad gefahren. Ich nahm an vielen Radrennen teil, war sozusagen sportsüchtig.

1989 starb mein Zwillingsbruder Thomas im Alter von 25 Jahren auf einer Judomatte während eines Wettkampfs. Es war ein plötzlicher Herztod, die Folge einer genetischen Veranlagung. Die trage auch ich in mir. Deshalb war mir klar, dass mein Herz ist eine tickende Zeitbombe ist. Mit diesem Bewusstsein lebte ich seit dem Tod meines Bruders.

Dann erwischte es auch mich. Nach Jahren streikte mein Herz. 2008 hatte ich einen Schlaganfall und im Jahr 2011 während einer Sportveranstaltung einen Herzstillstand. Eine Herzdruckmassage rettete mir das Leben.

Vor meiner Transplantation musste ich acht Monate auf ein Spenderherz warten. Dabei war ich körperlich und seelisch auf einem absoluten Tiefpunkt. Im September 2013 konnte ich dann transplantiert werden und ab November habe ich bei Minus Null angefangen und mich wieder auf ein gutes Niveau gebracht.

Heute kann ich wieder super Rennrad fahren. Im Frühjahr 2015 konnte ich das erste Mal bei den Deutschen Meisterschaften der Transplantierten & Dialysepatienten (Bild rechts) in Bruchsal starten. Letzten Sommer (2015) habe ich erst im Juni die EUREGIOTOUR (Radtour pro Organspende durch die Alpen) mitgemacht und später im Juli nochmal mit Kumpels die Westdolomiten von Sölden nach Meran überquert (Bild oben links).

Mittlerweile kann ich wieder in meinem Beruf als Physiotherapeut arbeiten und bin sehr glücklich darüber, dass mir durch eine Organspende ein neues Leben geschenkt wurde.
Ich freue mich schon auf die nächsten Rennradtouren mit meinen transplantierten Vereinskollegen vom HLTX e.V. Leipzig.

Euer Christoph

Ein Artikel über mich im Herzzentrum Bad Oeynhausen →

3 tolle Kurzvideos über Christophs Aktivtraining mit SKODA →

 

Peggy Hengst

Faszinierend, berührend und sehr ergreifend !

Mein Name ist Peggy Hengst, 38 Jahre und im August 2014 herztransplantiert.
In diesem Jahr nahm ich zum ersten Mal an den „Deutschen Meisterschaft der Transplantierten und Dialysepatienten“ in Bremen teil. Nun wurde ich darauf angesprochen, ob es möglich wäre meine Eindrücke wiederzugeben. Kurz und bündig: „Es war für mich eine faszinierende, berührende und sehr ergreifende Zeit!!“ Im Vordergrund standen nicht nur die sportlichen Wettkämpfe, sondern auch das Miteinander – Füreinander !!! So viele lebensbejahende Menschen, und jeder für sich seine eigene Geschichte !!!
Offenheit, Herzlichkeit, Austausch und ganz viel positive Energie erlebte ich in diesen 3 Tagen.
Ich kann für mich sagen, meinen Weg habe ich gefunden!
Mit diesem Ereignis haben mir diese ganzen lieben Leute ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk bereitet! DANKE !